Hauptmenü

Rückkehr einer seltenen Art: Europäische Wildkatze erstmals im Biosphärenreservat Flusslandschaft-Elbe nachgewiesen

- Erschienen am 09.01.2026

Im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe - Brandenburg ist erstmals eine Europäische Wildkatze (Felis silvestris) genetisch nachgewiesen worden. Der bestätigte Fund stammt aus dem seit Anfang 2025 laufenden Wildkatzen-Monitoring. Das Ergebnis zeigt: Das Biosphärenreservat bietet geeignete Lebensraumbedingungen für die streng geschützte Art.

Im Rahmen des Monitorings wurde zunächst eine Katze an einem Kontrollpunkt durch eine Wildkamera (Fotofalle) erfasst. Am zugehörigen mit Lockstoff präparierten Lockstab konnten anschließend Haare gesichert werden. Die genetische Untersuchung im wildtiergenetischen Labor bestätigte die Artzugehörigkeit: Es handelt sich um eine Europäische Wildkatze. Der Nachweis entspricht nach wissenschaftlichen Standards einem C1-Nachweis, also einem eindeutigen Nachweis. Das Tier konnte zudem als weibliches Individuum identifiziert werden.

Seit Anfang 2025 untersucht die Verwaltung des Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe - Brandenburg gemeinsam mit dem Artenkompetenzzentrum Zippelsförde (zentrale Koordinationsstelle für das Wildkatzenmonitoring in Brandenburg), der Naturwacht (Rangerinnen und Ranger) sowie einer privaten, fachlich versierten Person, ob die Europäische Wildkatze im Gebiet vorkommt. Belastbare Nachweise sind wichtig für den Artenschutz und die Berichtspflichten nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie). Die EU-Richtlinie legt europaweit verbindliche Naturschutzstandards für Arten und Lebensräume fest und ist Grundlage für das Schutzgebietsnetz Natura 2000.

Die Methode kommt ohne Fang, Markierung oder andere direkte Eingriffe am Tier aus und belastet die Tiere nicht. In vier Bereichen – Rühstädt, Elsbruch–Krötenluch, Jackel und Karthan – wurden insgesamt fünf Lockstäbe aufgestellt und mit Baldrianessenz präpariert. Wildkatzen reagieren auf den Duft, reiben sich an den angerauten Hölzern und hinterlassen dabei Haare (idealerweise mit Wurzel) für die genetische Analyse. In etwa drei Metern Abstand zu jedem Lockstab sind Wildkameras montiert, die per Selbstauslöser alle Tiere im Erfassungsbereich dokumentieren. Die Kontrollpunkte werden wöchentlich betreut: Lockstoff wird aufgefrischt, Bilddaten ausgelesen und Proben eindeutig gekennzeichnet an ein wildtiergenetisches Labor übergeben. Zum Schutz der Tiere werden keine exakten Fundpunkte veröffentlicht. Unabhängig vom Wildkatzenfund zeigen die Kameras eine breite Artenvielfalt, darunter Rehwild, Wildschweine und invasive Arten wie Waschbären.

Neben dem genetisch bestätigten Fund wurde an einem weiteren Kontrollpunkt ein Bildnachweis einer Katze dokumentiert, ohne dass Haare am Lockstab gesichert werden konnten. Dieser Hinweis wird als C3-Hinweis (unbestätigt) geführt. Aufgrund der zwei positiven Hinweise in kurzer Zeit wird das Monitoring in den kommenden Jahren fortgeführt.

Das Biosphärenreservat bietet der Wildkatze mit strukturreichen Wäldern, Totholz und Feuchtgebieten ein ideales Lebensumfeld mit ausreichend Nahrung und Verstecken. Als Indikatorart belegt ihr Vorkommen die hohe ökologische Qualität und Durchlässigkeit der Landschaft. Die gewonnenen Daten helfen der Biosphärenreservatsverwaltung, Managementpläne und Schutzmaßnahmen künftig gemeinsam mit Partnern wie der Jägerschaft und Waldbesitzenden gezielt weiterzuentwickeln.

Kontrolleure von Wildtierkameras sowie Jagdausübungsberechtigte und andere Beobachtende werden gebeten, Katzen-Bildnachweise aus dem Gebiet an die Verwaltung des Biosphärenreservats zu übermitteln – nach Möglichkeit mit Datum/Uhrzeit und möglichst genauer Ortsangabe, gern auch mit GPS-Koordinaten. Solche Hinweise helfen, das Monitoring gezielter zu steuern und weitere Vorkommen einzugrenzen.

Kontakt für Rückfragen:
Linda Jaworski - Sachgebiet Forschung und Monitoring im UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe – Brandenburg
Telefon: 038791 801816
E-Mail: linda.jaworski@lfu.brandenburg.de