6. Abfallvermeidungsforum in Potsdam
- Erschienen amBrandenburgs Staatssekretär für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, Dr. Stephan Nickisch hat heute das 6. Abfallvermeidungsforum mit etwa 70 Teilnehmenden eröffnet. Traditionell findet das Forum im Rahmen der Europäischen Aktions-Woche der Abfallvermeidung statt. Akteurinnen und Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und der Zivilgesellschaft diskutierten dabei bestehende Potenziale und Lösungsansätze zu den Themenschwerpunkten Umgang mit Alttextilien und Bekämpfung der Lebensmittelverschwendung.
Staatssekretär Dr. Stephan Nickisch:
„Um dem weiterhin steigenden Müllaufkommen in Deutschland zu begegnen, braucht es die Stärkung der Kreislaufwirtschaft sowohl auf EU-, Bundes und Landesebene. Ziel muss es sein, Abfälle zu vermeiden und gleichzeitig die Recyclingquoten zu steigern. Diese Maßgabe verfolgt auch der Bandenburger Abfallwirtschaftsplan. Voraussetzung dafür ist der Ausbau und die Gestaltung der bestehenden Erfassungssysteme – insbesondere der getrennten Sammlung von Abfällen, um diese wiederverwenden und recyceln zu können. Insbesondere bei der Sammlung von Alttextilien bestehen hier noch große Potenziale, aber gleichzeitig auch Unsicherheiten auf der Seite der öffentlich-rechtlichen Entsorgern. Das Abfallvermeidungsforum bietet deshalb nicht nur anschauliche Best-Practice-Beispiele, sondern auch die Möglichkeit, sich zu vernetzen und gegenseitig auszutauschen.“
Trotz diverser Bemühungen auf verschiedensten Ebenen nehmen die Abfallmengen weltweit und auch in Brandenburg noch immer zu. Der Textilsektor ist hierbei einer der wohl kritischsten Bereiche. Er wird weltweit für zwei bis zehn Prozent der Kohlendioxid-Emissionen, 20 Prozent der Frischwasserverschmutzung sowie für 16 bis 35 Prozent der Verunreinigungen der Meere durch Mikroplastik verantwortlich gemacht und trägt damit erheblich zur Umweltbelastung bei. Die häufig in minderwertiger Qualität und in kurzen Abständen hergestellten Trends – das sogenannte Fast Fashion – werden mittlerweile häufig noch gesteigert, sodass man inzwischen von Ultra-Fast Fashion spricht. Das führt dazu, dass in Deutschland und auch weltweit die Alttextilmengen stetig zunehmen. Gleichzeitig sind die chemischen und mechanischen Recyclingquoten bei Textilien noch extrem gering. Gerade einmal ein Prozent der Alttextilien werden heute weltweit mechanisch – also von Faser zu Faser – recycelt.
Auch im Lebensmittelsektor ist die Lage alarmierend. Es wurde festgestellt, dass in Deutschland über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg bis hin zum Endverbraucher über 18 Millionen Tonnen an Lebensmitteln pro Jahr in der Tonne landen. Dies entspricht fast einem Drittel des aktuellen Nahrungsmittelverbrauchs. Der überwiegende Teil dieser Lebensmittelabfälle wäre bereits heute vermeidbar – insgesamt fast 10 Millionen Tonnen. Der Handlungsdruck ist daher immens.
„Die Vermeidung von Abfällen bedeutet zugleich Schutz von Ressourcen und natürlichen Lebensgrundlagen“,
so Staatssekretär Dr. Stephan Nickisch.
„Die Europäische Union hat das Problem zwar erkannt, die Abfallrahmenrichtlinie überarbeitet und dabei verstärkt den Fokus auf Lebensmittel- und Textilabfälle konzentriert, allerdings bleibt abzuwarten, inwieweit es tatsächlich gelingt, die darin verankerte Herstellerverantwortung auch tatsächlich geltend zu machen. Unabhängig davon kann jeder und jede einzelne einen eigenen Beitrag zur Abfallvermeidung und zur Verhinderung von Lebensmittelverschwendung leisten. Informationen bieten hierfür unter anderem die Verbraucherzentralen.“
Neben der erweiterten Herstellerverantwortung für Textilien wurden in der Abfallrahmenrichtlinie verbindliche Ziele zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen eingeführt, die bis zum 31. Dezember 2030 auf nationaler Ebene erreicht werden müssen. Konkret müssen die Lebensmittelabfälle um 10 Prozent aus der Lebensmittelverarbeitung und -herstellung sowie um 30 Prozent pro Kopf aus Einzelhandel, Restaurants, Gastronomie und Haushalten gesenkt werden. Hier wird erwartet, dass der Bund zur Zielerreichung Vorschläge unterbreitet.
Beim Abfallvermeidungsforum wurden in verschiedenen Impulsvorträgen die Problematik und Potenziale aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet und diskutiert. Darüber hinaus gab es die Möglichkeit, sich in einer längeren Netzwerkpause auszutauschen und an Info-Ständen über verschiedene Initiativen zu informieren.