Selten, wertvoll, bedroht: Die Gemeine Esche ist „Baum des Jahres 2027“
Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde erforscht im Bundesprojekt „FraxRecovery“, wie sich das Eschentriebsterben ausbreitet und wie gefährliche Stammfäulen früh erkannt werden können
- Erschienen am - PresemitteilungDie Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) ist der „Baum des Jahres 2027“. Das hat die „Baum des Jahres – Dr. Silvius Wodarz Stiftung“ in Berlin heute bekannt gegeben. Die heimische Laubbaumart ist ökologisch wertvoll und ihr Holz begehrt, doch das Eschentriebsterben gefährdet ihre Zukunft. Das Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE) erforscht im Bundesprojekt FraxRecovery, wie sich die Pilzkrankheit ausbreitet und wie gefährliche Stammfußnekrosen frühzeitig erkannt werden können.
Seltene, aber wertvolle Nebenbaumart
Die Gemeine Esche ist von der Iberischen Halbinsel bis zum Ural verbreitet und wächst bevorzugt auf feuchten, nährstoffreichen Böden, etwa in Auenwäldern. In Brandenburg kommt sie nur auf 0,3 Prozent der Waldfläche vor – knapp 3.000 Hektar (bundesweit sind es rund 1,8 Prozent). Dennoch ist sie wichtig für stabile Laubmischwälder und bietet zahlreichen Insekten und Pilzen Lebensraum. Sie kann bis zu 300 Jahre alt und 40 Meter hoch werden. Da sie Trockenheit, Frost und Überflutung gut verträgt, trägt sie Eigenschaften in sich, die für die klimastabilen Waldstrukturen der Zukunft geeignet wären, dennoch ist sie selbst bedroht.
Eschentriebsterben bedroht die Baumart
Ursache ist vor allem der aus Ostasien stammende Pilz Hymenoscyphus fraxineus (Falsches Weißes Stängelbecherchen). Seit seinem ersten Auftreten in Deutschland im Jahr 2002 ist er flächendeckend verbreitet. Großflächiges Absterben hat die Eschenvorkommen drastisch schrumpfen lassen. Die Folgen sind vielfältig. Im Ökosystem gehen wertvolle Lebensräume verloren. Forstbetriebe verlieren Geld, weil das Holz an Wert verliert und Bäume vorzeitig absterben, bevor das feste und elastische Eschenholz unter anderem für Werkzeugstiele, Sportgeräte, Möbel und Parkett genutzt werden kann.
Besonders gefährlich ist, dass die Krankheit nicht nur die Äste in den Kronen befällt, sondern auch Fäule an den Wurzeln und am Stammfuß verursacht. Diese sogenannten Stammfußnekrosen werden oft erst spät sichtbar. Betroffene Eschen können dann schon bei leichtem Wind umstürzen. Eine frühzeitige Diagnose ist sowohl für die Verkehrssicherung als auch für eine wirtschaftliche Verwertung des Holzes entscheidend.
Forschung am Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE)
Im bundesweiten Verbundprojekt FraxRecovery (2025–2028) beobachtet das LFE den Krankheitsverlauf auf Dauerbeobachtungsflächen in ganz Deutschland und bewertet den Erfolg von Erhaltungsmaßnahmen wie Klonarchiven und Samenplantagen. Auf der brandenburgischen Versuchsfläche stürzten allein 2022 und 2023 10,4 Prozent der Eschen infolge von Stammschäden um.
Das LFE testet deshalb neue Verfahren zur Früherkennung von Stammfäulen, etwa mit Spürhunden und elektronischen Nasen. Für FraxRecovery stellt das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat 7,1 Millionen Euro bereit.
Hintergrund
Seit 1989 findet jährlich die Kür zum Baum des Jahres durch die „Baum des Jahres – Dr. Silvius Wodarz Stiftung“ statt.
Ziel der Stiftung ist es, auf die ökologische, kulturelle und forstwirtschaftliche Bedeutung heimischer Baumarten aufmerksam zu machen und das Bewusstsein für den Wert und Schutz von Bäumen in Wäldern, Städten und der Landschaft zu stärken.
Die Gemeine Esche wird nach 2001 bereits zum zweiten Mal ausgezeichnet. Der Grund ist ihre dramatisch veränderte Lage seit dem Beginn des Eschentriebsterbens. Mit der erneuten Wahl will die Stiftung auf die Bedrohung aufmerksam machen, aber auch Hoffnung vermitteln. Denn in betroffenen Beständen finden sich immer wieder Eschen, die dem Erreger vergleichsweise gut standhalten. Ihre Widerstandskraft ist zumindest teilweise genetisch bedingt, eine vollständige Resistenz ist bislang jedoch nicht bekannt.
Mehr Informationen: www.baum-des-jahres.de