Mobile Schlachtung in Brandenburg
Über 100 Teilnehmende bei der 4. Informationsveranstaltung – Erfahrungsberichte, Neuentwicklungen und Besichtigung mobiler Schlachteinheiten am IFN Schönow
Am 15. Oktober 2026 fand im Institut für Fortpflanzung landwirtschaftlicher Nutztiere Schönow e. V. (IFN Schönow) die vierte Informationsveranstaltung „Mobile Schlachtung in Brandenburg“ statt, veranstaltet vom Tierschutzberatungsdienst (TSBD), dem IFN Schönow und der Landestierschutzbeauftragten des Landes Brandenburg (LTSB). Über 100 Teilnehmende nahmen vor Ort und online teil. Die seit 2021 bestehende Veranstaltung fokussierte in diesem Jahr auf Erfahrungsberichte aus Perspektive der Zulassungsbehörde, eines Tierhaltungsbetriebs, von Schützen und Dienstleistern, ergänzt durch Neuentwicklungen sowie die mobile Schlachtung kleiner Wiederkäuer und Pferde. Moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Anne Zinke (LTSB).
„In einer Zeit, in der die Transportwege für Brandenburger Betriebe aufgrund geschlossener Schlachtstätten erheblich länger geworden sind, bietet die mobile Schlachtung besonders für kleine Tierbestände einen guten und vor allem tierfreundlichen Ausweg.“,
führt Dr. Anne Zinke zur Bedeutung der mobilen Schlachtung einleitend aus.
Die Vorträge im Überblick
Weideschuss aus Sicht des Tierhalters
Jochen Fritz vom Biohof Werder berichtete über aktuelle Erfahrungen mit dem Weideschuss bei seinen Wasserbüffeln. Für die ganzjährig im Freien gehaltenen Tiere ist der Schuss aus der Distanz ohne vorherigen Transport die schonendste Möglichkeit der Schlachtung. Die höheren Kosten lassen sich im Rahmen der Direktvermarktung kommunizieren.
Weideschuss aus Sicht des Schützen
Dr. Maximilian A. Joerdens (Tierarzt und Jäger aus Falkensee) erläuterte, worauf es beim Kugelschuss ankommt. Besonders wichtig sind praktikable und tierfreundliche Lösungen. Dazu gehört beispielsweise die auch von der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT) empfohlene längere Dauer von drei Minuten zwischen Schuss und Entblutestich, eine zweite geladene Waffe für die Nachbetäubung und die Nutzung eines Schalldämpfers.
Erfahrungen der Veterinärämter
Henry Strathmann (Amtstierarzt im Landkreis Uckermark) stellte Erfahrungen der Brandenburger Veterinärämter mit der mobilen Schlachtung, besonders der teilmobilen Schlachtung und der Genehmigung des Weideschusses vor. Auf der Webseite des Landkreises werden Unterlagen zur Durchführung und zur Beantragung einer mobilen Schlachtung bereitgestellt.
Vollmobile Schlachtung
Thomas Klein (Fleischermeister und Geschäftsführer der HOOF – Mobile Regionalwert Metzgerei GmbH (Köln)) stellte eine LKW-basierte Containerlösung zur vollmobilen Schlachtung vor, mit der Tiere direkt auf dem Hof geschlachtet sowie zerlegt und lohnverarbeitet werden können. Obwohl die Lösung eine EU-Zulassung hat, erfordert ihr Einsatz in Deutschland und im Ausland umfangreiche Abstimmungen mit jeder Lokalbehörde, was eine Hürde darstellt. Fahrtkosten begrenzen den Einsatzradius; bei ausreichender Tierzahl oder Kooperation mehrerer Betriebe lassen sich diese Kosten teilen, sodass auch in Regionen wie Brandenburg wirtschaftliche Einsatzbedingungen möglich sind.
Mobil, gekühlt, innovativ
Antonia Nieradt (IFN Schönow) präsentierte eine neue mobile Einheit auf Basis eines Mercedes Sprinter mit isoliertem und gekühltem Laderaum, der maximale Hygiene für den Transport des Schlachtkörpers bildet. Die Kühlung erlaubt längere Transportdauer, zu deren Auswirkungen auf den Tierkörper und zu einer maximalen Transportzeit bislang jedoch Daten fehlen. Die Konzeption des Fahrzeugs lässt verschiedene Nutzungsmöglichkeiten zu, was eine breite Auslastung ermöglicht. Das Projekt wurde aus Mitteln des Brandenburger Zukunftsinvestitionsfonds des Landes Brandenburg (ZifoG) gemeinsam mit dem Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz (MLEUV), der MeatBringer GmbH und Thermoking Berlin entwickelt.
Drei Jahre mobile Geflügelschlachtung.
Dr. Claudia Zernick (IFN Schönow) zieht nach drei Jahren Einsatz eines ausleihbaren Geflügelschlachtmobils Bilanz: Die Ausgabe erfolgt stets zusammen mit einer sachkundigen IFN-Mitarbeiterin , was Schlachtabläufe, Technikhandhabung sowie Reinigung und Desinfektion routiniert gestaltet. Neben der „klassischen“ Schlachtung entstanden Kooperationen mit Institutionen der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde und dem Tierschutzberatungsdienst, wodurch das Institut regionale Geflügelforschung und Sachkundelehrgänge unterstützt.
Pferdeschlachtung
Dr. Kathrin Jäschke (IFN Schönow) präsentierte unter „Die unbequeme Ressource“ neue Wege für die Ausbildung und Akzeptanz in der teilmobilen Pferdeschlachtung, Ergebnisse des vom Bundesministerium (BMLEH) geförderten Projekts „PfeMo“. Dieses wird vom IFN Schönow mit der Frankenförder Forschungsgesellschaft mbH, Vetiqo und MST Mobile Schlachttechnik GbR durchführt. Ziel ist es, Halterinnen und Halter die Schlachtung ihres Pferdes in gewohnter Umgebung, statt im Schlachthof näherzubringen und zu ermöglichen. Projektbestandteile waren auch die Entwicklung eines pferdetauglichen Hängers und eines Pferdekopfmodells zur Übung der Betäubung sowie des Entblutestiches.
Kleine Wiederkäuer
Anna Jenni (Departement für Nutztierwissenschaften, Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) Schweiz) präsentierte Ergebnisse eines Projektes zur mobilen Hoftötung kleiner Wiederkäuer, die zeigen, dass Schafe und Ziege, wenn sie in ihrer gewohnten Umgebung in der Gruppe geschlachtet werden, geringere Stressbelastung aufweisen als bei Vereinzelung oder Schlachtung im Schlachthof. Ein entsprechendes Merkblatt mit Anleitung zur Schlachtung kleiner Wiederkäuer ist auf der FiBL-Website verfügbar.
Besichtigung von Schlachtmobilen.
Dr. Zernick stellte den umgebauten Mercedes Sprinter, den T-Trailer, einen Rindertransportanhänger und das Geflügelschlachtmobil vor; im Anschluss konnten die Fahrzeuge besichtigt werden.
Die Veranstaltung bot ausreichend Raum für zahlreiche Fragen der Teilnehmenden. Die Rückmeldungen zur Veranstaltung waren durchweg positiv und es besteht Einigkeit, die wichtige Veranstaltungsreihe zum Thema mobile Schlachtung fortzusetzen.
Über 100 Teilnehmende bei der 4. Informationsveranstaltung – Erfahrungsberichte, Neuentwicklungen und Besichtigung mobiler Schlachteinheiten am IFN Schönow
Am 15. Oktober 2026 fand im Institut für Fortpflanzung landwirtschaftlicher Nutztiere Schönow e. V. (IFN Schönow) die vierte Informationsveranstaltung „Mobile Schlachtung in Brandenburg“ statt, veranstaltet vom Tierschutzberatungsdienst (TSBD), dem IFN Schönow und der Landestierschutzbeauftragten des Landes Brandenburg (LTSB). Über 100 Teilnehmende nahmen vor Ort und online teil. Die seit 2021 bestehende Veranstaltung fokussierte in diesem Jahr auf Erfahrungsberichte aus Perspektive der Zulassungsbehörde, eines Tierhaltungsbetriebs, von Schützen und Dienstleistern, ergänzt durch Neuentwicklungen sowie die mobile Schlachtung kleiner Wiederkäuer und Pferde. Moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Anne Zinke (LTSB).
„In einer Zeit, in der die Transportwege für Brandenburger Betriebe aufgrund geschlossener Schlachtstätten erheblich länger geworden sind, bietet die mobile Schlachtung besonders für kleine Tierbestände einen guten und vor allem tierfreundlichen Ausweg.“,
führt Dr. Anne Zinke zur Bedeutung der mobilen Schlachtung einleitend aus.
Die Vorträge im Überblick
Weideschuss aus Sicht des Tierhalters
Jochen Fritz vom Biohof Werder berichtete über aktuelle Erfahrungen mit dem Weideschuss bei seinen Wasserbüffeln. Für die ganzjährig im Freien gehaltenen Tiere ist der Schuss aus der Distanz ohne vorherigen Transport die schonendste Möglichkeit der Schlachtung. Die höheren Kosten lassen sich im Rahmen der Direktvermarktung kommunizieren.
Weideschuss aus Sicht des Schützen
Dr. Maximilian A. Joerdens (Tierarzt und Jäger aus Falkensee) erläuterte, worauf es beim Kugelschuss ankommt. Besonders wichtig sind praktikable und tierfreundliche Lösungen. Dazu gehört beispielsweise die auch von der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT) empfohlene längere Dauer von drei Minuten zwischen Schuss und Entblutestich, eine zweite geladene Waffe für die Nachbetäubung und die Nutzung eines Schalldämpfers.
Erfahrungen der Veterinärämter
Henry Strathmann (Amtstierarzt im Landkreis Uckermark) stellte Erfahrungen der Brandenburger Veterinärämter mit der mobilen Schlachtung, besonders der teilmobilen Schlachtung und der Genehmigung des Weideschusses vor. Auf der Webseite des Landkreises werden Unterlagen zur Durchführung und zur Beantragung einer mobilen Schlachtung bereitgestellt.
Vollmobile Schlachtung
Thomas Klein (Fleischermeister und Geschäftsführer der HOOF – Mobile Regionalwert Metzgerei GmbH (Köln)) stellte eine LKW-basierte Containerlösung zur vollmobilen Schlachtung vor, mit der Tiere direkt auf dem Hof geschlachtet sowie zerlegt und lohnverarbeitet werden können. Obwohl die Lösung eine EU-Zulassung hat, erfordert ihr Einsatz in Deutschland und im Ausland umfangreiche Abstimmungen mit jeder Lokalbehörde, was eine Hürde darstellt. Fahrtkosten begrenzen den Einsatzradius; bei ausreichender Tierzahl oder Kooperation mehrerer Betriebe lassen sich diese Kosten teilen, sodass auch in Regionen wie Brandenburg wirtschaftliche Einsatzbedingungen möglich sind.
Mobil, gekühlt, innovativ
Antonia Nieradt (IFN Schönow) präsentierte eine neue mobile Einheit auf Basis eines Mercedes Sprinter mit isoliertem und gekühltem Laderaum, der maximale Hygiene für den Transport des Schlachtkörpers bildet. Die Kühlung erlaubt längere Transportdauer, zu deren Auswirkungen auf den Tierkörper und zu einer maximalen Transportzeit bislang jedoch Daten fehlen. Die Konzeption des Fahrzeugs lässt verschiedene Nutzungsmöglichkeiten zu, was eine breite Auslastung ermöglicht. Das Projekt wurde aus Mitteln des Brandenburger Zukunftsinvestitionsfonds des Landes Brandenburg (ZifoG) gemeinsam mit dem Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz (MLEUV), der MeatBringer GmbH und Thermoking Berlin entwickelt.
Drei Jahre mobile Geflügelschlachtung.
Dr. Claudia Zernick (IFN Schönow) zieht nach drei Jahren Einsatz eines ausleihbaren Geflügelschlachtmobils Bilanz: Die Ausgabe erfolgt stets zusammen mit einer sachkundigen IFN-Mitarbeiterin , was Schlachtabläufe, Technikhandhabung sowie Reinigung und Desinfektion routiniert gestaltet. Neben der „klassischen“ Schlachtung entstanden Kooperationen mit Institutionen der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde und dem Tierschutzberatungsdienst, wodurch das Institut regionale Geflügelforschung und Sachkundelehrgänge unterstützt.
Pferdeschlachtung
Dr. Kathrin Jäschke (IFN Schönow) präsentierte unter „Die unbequeme Ressource“ neue Wege für die Ausbildung und Akzeptanz in der teilmobilen Pferdeschlachtung, Ergebnisse des vom Bundesministerium (BMLEH) geförderten Projekts „PfeMo“. Dieses wird vom IFN Schönow mit der Frankenförder Forschungsgesellschaft mbH, Vetiqo und MST Mobile Schlachttechnik GbR durchführt. Ziel ist es, Halterinnen und Halter die Schlachtung ihres Pferdes in gewohnter Umgebung, statt im Schlachthof näherzubringen und zu ermöglichen. Projektbestandteile waren auch die Entwicklung eines pferdetauglichen Hängers und eines Pferdekopfmodells zur Übung der Betäubung sowie des Entblutestiches.
Kleine Wiederkäuer
Anna Jenni (Departement für Nutztierwissenschaften, Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) Schweiz) präsentierte Ergebnisse eines Projektes zur mobilen Hoftötung kleiner Wiederkäuer, die zeigen, dass Schafe und Ziege, wenn sie in ihrer gewohnten Umgebung in der Gruppe geschlachtet werden, geringere Stressbelastung aufweisen als bei Vereinzelung oder Schlachtung im Schlachthof. Ein entsprechendes Merkblatt mit Anleitung zur Schlachtung kleiner Wiederkäuer ist auf der FiBL-Website verfügbar.
Besichtigung von Schlachtmobilen.
Dr. Zernick stellte den umgebauten Mercedes Sprinter, den T-Trailer, einen Rindertransportanhänger und das Geflügelschlachtmobil vor; im Anschluss konnten die Fahrzeuge besichtigt werden.
Die Veranstaltung bot ausreichend Raum für zahlreiche Fragen der Teilnehmenden. Die Rückmeldungen zur Veranstaltung waren durchweg positiv und es besteht Einigkeit, die wichtige Veranstaltungsreihe zum Thema mobile Schlachtung fortzusetzen.